Plädoyer für einen Architekturwettbewerb

Plädoyer für einen Architekturwettbewerb zum Bebauungsplan des KIT Campus Süd/ Adenauerring

Wir, die Initiative „Grüner Campus Karlsruhe“, möchten vor einer Entscheidung ihrer Fraktion folgende Stellungnahme abgeben und bitten um Berücksichtigung:

  1. Der exponierte Standort an zentraler Stelle am Durlacher Tor erfordert einen sensiblen Umgang der Neubebauung mit vorhandener teils denkmalgeschützter Baustruktur. Ein qualitativ hochwertiger Entwurf für die anstehende konkrete Planungsaufgabe lässt sich nur durch die Durchführung eines Architektur­wettbewerbs finden. Eine solche Vorgehensweise ist seit vielen Jahren anerkannt und häufige Praxis auch in Karlsruhe. Selbst bei weniger exponierten Standorten werden Planungs-/Architektur­wett­bewerbe durchgeführt. U. a. sind als Beispiel das C-Areal oder das Badische Staatstheater zu nennen oder der Neubau des Finanzamts in der Durlacher Allee 31-33. Dies ist also erst recht am Eingangstor des KIT, des bedeutendsten Wissen­schafts­­standorts der Stadt Karlsruhe, erforderlich.
  2. Der Erstentwurf des B-Plans bezieht sich auf den Masterplan des KIT und sieht eine „städtische“ Bebauung mit durchgehend versiegelten Flächen und fünf Gebäude­blöcken vor. Ein Wettbewerb sei nicht nötig, weil die städtebauliche Struktur Teil des Masterplans sei, der wie der Erstentwurf des B-Plans auch durch das Planungsbüro ASTOC erstellt wurde. Wir möchten darauf hinweisen, dass der Masterplan des KIT weder fertiggestellt, noch bindend noch durch irgendein Baurecht begründet ist. Zusätzlich stellt sich die Frage, warum sowohl die Stadt als auch das KIT mit dem gleichen Planer arbeitet. Neue Ideen sind damit von vorne herein ausgeschlossen.
  3. Die konkrete Gebäudeplanung des ersten Abschnitts soll unbedingt vom langjährigen Architektenbüro der Klaus Tschira Stiftung durchgeführt werden. Will man dies der Stiftung gewähren, und trotzdem eine besonders qualitätsvolle und baulich konstruktive beste Lösung für die Planungsaufgabe finden, bleibt nur die Durchführung eines städte­baulichen Wettbewerbs. Diese Chance darf nicht vertan werden. Der Schaden für das Stadtbild wäre viel zu groß.
  4. Der Wettbewerb kann sich nur auf sämtliche zu überplanenden Grundstücks­flächen beziehen, weil nur auf diese Weise eine einheitliche Formensprache, ein Entwurf aus einem Guss erwartet werden kann. Jedes andere Vorgehen wider­spricht dem Kerngedanken qualitätsvoller Planung. Der Wettbewerb sollte die vom Baugelände vorgegebene dreifache Vermittlungsfunktion berücksichtigen:
    (1) zwischen Wald und Stadt,
    (2) zwischen KIT und Wohnbebauung der Oststadt,
    (3) zwischen den vom Adenauerring getrennten Unversitätsflächen.
    Da der Botanische Garten einen wesentlichen Beitrag zu dieser Vermittlungsfunktion zwischen Wald und Stadt bzw. KIT und Oststadt, aber auch für einen funktionierenden Campus leistet, muss er am alten Platz erhalten bleiben.
  5. Mit der Durchführung eines Wettbewerbs ließe sich eine sachgerechte Verteilung gewünschter bzw. städtebaulich wünschenswerter Baumasse erreichen und gleich­zeitig im besonderen Maße Rücksichtnahme auf die betroffene Nachbar­schaft sicher­stellen, was beim gegenwärtigen Entwurf nicht gewährleistet ist. Zur Durchsetzung der berechtigten Eigentümerbelange der durch das Vorhaben betroffenen Eigentümer bleibt die Geltendmachung eines Normenkontroll­verfahrens beim VGH Baden-Württemberg vorbehalten. Ein solches Verfahren würde zu unnötiger Verzögerung in der Bauerrichtung führen. Diese zeitliche Verzögerung ist mit der evtl. Verzögerung für die Durchführung eines Wett­bewerbs nicht ansatzweise vergleichbar. In dem Zusammenhang wäre auch zu prüfen, inwieweit die Grundstücksvergabe über eine öffentliche Ausschreibung erfolgt ist.
  6. Die Aufgabe des Botanischen Gartens darf aus stadtgeschichtlicher und denkmals­pflegerischen Gründen nicht erfolgen. Mit einem Präsidiumsbeschluss des KIT zur Verlegung des Bot. Gartens darf man sich nicht zufrieden geben. Man muss mindestens eine konkrete Planung mit Schauhäusern und Zeitplan einfordern.

 

Karlsruhe, den 19. 4. 2016

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