„Grüner Campus“ kritisiert Planungsbeschlüsse und kämpft für Botanischen Garten

Am 12.5. hat der Planungsausschuss in geheimer Sitzung (wie man hört mit 2 Gegenstimmen) die Fortführung des Bebauungsplans KIT Campus Süd /Adenauerring mit den vom Planungsbüro eingebrachten Änderungen beschlossen.Die Änderungen wurden von Prof. Neppl (ASTOC, KIT) ca. 30 Teilnehmern, darunter auch einige Architekten und Gemeinderäte, beim Treffen der Initiative „grüner Campus“ am 18.5. vorgestellt. Die Präsentation des B-Planentwurfs von Prof. Neppl finden sie hier. Der Erstentwurf vom Juni 2015 wurde im Wesentlichen beibehalten. Zugeständnisse gab es bei den Abständen zu den Nachbargrundstücken (bisher min. 18m, jetzt: min 26m) und der Anzahl der Stockwerke auf der rückwärtigen Seite (bisher waren es 4 Stockwerke bei 2 von 5 Gebäuden, jetzt bei einem von 5 Gebäuden). Die Baumasse wurde von 50.600 qm Grundfläche auf ca. 44.200 qm reduziert, in dem man im Wesentlichen im nördlichen und südlichen Baufeld einige qm eingespart hat. Ein kleines Trostpflaster für unsere Anstrengungen für mehr Grün hat man uns gegönnt: Für die Grünflächen und die beiden Gebäude der zweiten Phase werden Wettbewerbe durchgeführt.

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Viele Teilnehmer kritisierten offen den geänderten Plan, weil man ihm ja kaum ansehen kann, was gegenüber dem bisherigen überhaupt geändert wurde. Mehrere Architekten u.a. vom Architekturschaufenster Karlsruhe e.V. monierten wiederholt, dass kein Architekturwettbewerb stattfindet.  Hauptkritikpunkt war allerdings die von der Stadt zitierte Aussage der Tschira Stiftung, dass sie sich zurückziehen werde, falls sie nicht mit dem selbst gewählten Architekturbüro zusammenarbeiten könne. Herr Karszt verlangte von der Tschira Stiftung, sich endlich selbst öffentlich zu äußern. Statt dass die Klaus Tschira Stiftung die Öffentlichkeit in ihre durchaus lobenswerten Absichten einbeziehe, behauptet sie, sie sei „Nicht-Beteiligte“. Die Stiftung verstecke sich hinter dem KIT und nicht einmal Gemeinderäte haben einen Zugang zu ihr. Die echten Absichten zur Nutzung der beiden Gebäude, die vermietet werden sollen, sind völlig unklar, dabei sind sie doch der Grund für die enorme Baumasse. Die Teilnehmer waren sich einig, dass man im Bebauungsplan die Nutzung als Sondergebiet Forschung konkretisieren und enger festlegen müsse. Herr Karszt griff diesen Punkt auf und verlangte, dass aufgrund der konkreten Anforderungen des Nutzer/Investors offensichtlich einen vorhabenbezogener Bebauungsplan adäquat sei, bei dem sich der Investor und der Nutzer auch öffentlich wesentlich konkreter und früher zu der architektonischen Gestaltung äußern müssen.

Auch das Verhalten der mehrheitsbildenden Fraktionen im Gemeinderat sei nicht nachvollziehbar. Im Vorfeld äußersten fast alle Gemeinderäte Verständnis und sogar Lob für die Anliegen der Initiative. Die Äußerungen der Fraktionsvertreter im Gemeinderat am 12.4. und die Abstimmung im Planungsausschuss zeigen aber, dass sich die Mehrzahl den Zwängen beugt, die die Tschira Stiftung vorgibt. „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“ so drückte es ein Stadtrat aus. Man werde die von Prof. Neppl als einzige Lösung präsentierten Kuben akzeptieren. Welche städtebaulichen Chancen am Eingangstor Adenauerring dadurch vergeben werden, darüber setzen sich die Stadt, das KIT und nun auch der Gemeinderat hinweg.

Obwohl der Architekturwettbewerb abgelehnt wurde, präsentierte Herr Karszt einen Alternativvorschlag, der auf dem Entrée-Entwurf von Prof. Mohl aus dem Jahre 2006 auf der Westseite des Adenauerrings basiert. Dieser Entwurf ermögliche eine deutliche Reduktion der Baumasse. Weder die Stadt noch das KIT haben Erklärungen dazu abgegeben, warum man nicht an diesem Entwurf festhalte und ihn städtebaulich auf der Ostseite im B-Plangebiet ergänze. Die Initiative fordert von der Stadt, dass auch der ursprüngliche Entwurf weiter ausgearbeitet wird und dem Gemeinderat vorgestellt wird.

Ein ganz großer Teil der Diskussion drehte sich um den Erhalt des Botanischen Gartens. Außer dem Beschluss des KIT Präsidiums zur Verlegung in die Kornblumenstraße gibt es hierzu gar keine Informationen und offensichtlich ist die Verlegung auch nicht in konkreten Bauplanungen des KIT enthalten. Die Initiative wird sich weiter intensiv für den Erhalt des Botanischen Gartens am Adenauerring einsetzen.

P.S: Am 20. Mai 2016 erschien zu unserem Treffen ein lesenswerter Artikel in den BNN.

 

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