Großer Andrang am 12.01.17 beim Oststadttreff

Thema: „Zur Zukunft des Botanischen Gartens des KIT“
Ca. 60 Personen besuchten die Informationsveranstaltung des Oststadttreffs. Nach der Begrüßung durch Frau Hübner und einer Einführung in den Planungsstand durch Herrn Scherle (beide vom Oststadttreff) stellten Herr Schmidt vom KIT und Herr Ketterer von der Initiative Grüner Campus Karlsruhe in Kurzvorträgen von 10 Min. ihre unterschiedliche Sicht auf das Bauprojekts und seine Folgen vor. Herr Schmidt begründete das Projekt mit dem Platzbedarf des KIT sowie der Notwendigkeit, den zentralen Campus zu stärken. Die   geplante Verlegung des Botanischen Gartens rechtfertigte er mit den Argumenten, der bestehende Garten genüge technisch, vor allem energetisch nicht mehr den Anforderungen und  sei nicht sanierbar. Am neuen Standort in der Kornblumenstr. bekäme die Forschung wesentlich bessere Arbeitsmöglichkeiten und die Öffentlichkeit habe weiterhin Zugang.

Herr Ketterer vom „Grünen Campus“ erinnerte zunächst an die nicht eingelösten Zusagen der Projektbetreiber, für Bürgerbeteiligung und „Dialog auf Augenhöhe“ zu sorgen. Dies gelte vor allem für die Hauptursache des gegenwärtigen Bürgerprotestes, den Erbpachtvertrag des Landes mit der Klaus-Tschira-Stiftung (KTS).  Von seiner Existenz erfuhr die Öffentlichkeit erst durch die Abstimmung im Landtag, sein genauer Wortlaut ist bis heute unbekannt. Die Initiative kritisiert vor allem, dass die  KIT-Behauptung, es benötige dringend die Baufläche für seinen Raumbedarf, im krassen Widerspruch zum Inhalt des Erbpachtvertrags steht. Ihm zufolge erstellt die  KTS drei Gebäude, schenkt eines (ein Hochhaus) dem KIT und darf  die beiden übrigen gegen Erbpachtzahlung vermieten. Damit gibt das Land ca. die Hälfte des angeblich so dringend benötigten Bauvolumens aus der Hand; das KIT erhält zwar ein Vormietrecht in den beiden Blöcken, muss aber bei Bedarf an die KTS Miete zahlen. Ungeklärt bleibe, so die Initiative, wer als Mieter in Frage komme. Der bisher vom Stadtplanungsamt bekannt gewordene Bebauungsplan sehe teils rein kommerzielle, teils „forschungsnahe“  Mieter vor, ohne dies zu präzisieren. Der zweite dieser Erbpacht-Blöcke werde auf der Freifläche des Botanischen Gartens stehen und zerstöre damit den Garten in seiner bestehenden Form. Der neue Standort in der Kornblumenstr. biete deutlich weniger Fläche; über das, was dort an Öffentlichkeitszugang und -arbeit künftig geboten werde, gebe es keine Auskunft. Grundsätzlich sei das KIT schlecht beraten, wenn es das Potential nicht nutze, das der bestehende Garten über seine wissenschaftliche Aufgabe hinaus biete: er könne als Forum eines ansprechenden Campus und als Möglichkeit für die Selbstdarstellung des KIT dienen.

In der anschließenden Diskussion versuchten die Anwesenden, den KIT-Vertreter zur Auflösung der Widersprüche und zur Klärung der offenen Fragen zu bewegen. Leider blieben die Versuche erfolglos bzw. schufen neue Unklarheiten. So hieß es beispielsweise, der Bebauungsplan sei eine Maximalplanung, die vielleicht in diesem Ausmaß gar nicht verwirklicht werde und man dürfe das vorhandene Architekturmodell nicht als Abbild der kommenden Bebauung verstehen. Das Grundstück des jetzigen Botanischen Gartens werde erst später bebaut; wie, stehe noch nicht fest – und bis dahin könnten die Schauhäuser u.U. bestehen bleiben. Für den neuen Standort des Gartens werde bis Jahresmitte ein Flächennutzungsplan erstellt; aber für die Öffentlichkeitsarbeit gebe es keine Abstriche. Unbeantwortet blieb die Frage eines Mitglieds der Architektenkammer nach den Gründen für die Ablehnung eines Architektenwettbewerbs durch die KTS. Auch auf den Hinweis, dass im Falle eines Einzugs in die Erbpachtgebäude der KTS  das KIT vermutlich deutlich höhere Mieten zahlen müsse als es die Verträge für die bestehenden Mietverhältnisse vorsehen würden, wurde nicht eingegangen. Verständlich, dass der Unmut der Anwesenden wuchs und schließlich im Protest des Stadtrats Cramer von der KULT-Fraktion gegenüber dem Auftreten des  KIT-Vertreters seinen Ausdruck fand. Insgesamt aber blieb die Diskusion -auch dank des Moderators Christoph Weinmann- sachlich und bewies, dass engagierte Bürger durchaus in der Lage sind, mit komplexen Problemen verständiger umzugehen als manche „Experten“ in ihrer eingeschränkten Sichtweise.

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