Offener Brief an die Entscheider im Projekt KIT Campus Süd/Adenauerring

von Dr. Jakob Karszt

Sehr geehrte Entscheider,

in der Presseinformation des KIT vom 19.02.2015 äußern sich die Verantwortlichen aus der Regierung des Landes und aus dem Präsidium des KIT erstmals öffentlich zur Kooperation des Landes und des KIT mit der Klaus Tschira Stiftung (KTS) und zur Nutzung der Gebäude der KIT Campus Süd Erweiterung am Adenauerring. Es wird zusätzlich ein Masterplan für die bauliche Infrastruktur und für eine nachhaltige Campus­entwicklung angekündigt. Bestandteil des Masterplans ist auch das Gelände am Adenauer­ring, die sogenannte „Informatikmeile“, die ja schon seit 2005 geplant wird. Diese Informationen kommen reichlich spät, und erst, nachdem bereits die Presse von Geheimnistuerei spricht. Das Land und das KIT haben es im Vorfeld des B-Planverfahrens versäumt, die Öffentlichkeit und die Betroffenen innerhalb und außerhalb ihrer Organisationen in ihre Absichten einzubeziehen.

Immerhin wird in der Presseinformation erläutert, was mit den ersten drei Gebäuden geschehen soll. Ein Gebäude als Geschenk der KTS für die unmittelbare Nutzung durch das KIT (max. 14.600 qm im Hochhaus), zwei Gebäude zur Vermietung durch KTS an „forschungsnahe Nutzer“ (max. 18.700 qm), d.h. und das sollte man offen sagen, also durchaus auch an Wirtschaftsunternehmen. Ob dies von der Stadt und der Bevölkerung abgelehnt, toleriert oder gar befürwortet wird, wird sich herausstellen.

Über die seit Dez. 2015  bekannte Kritik nicht nur der Anwohner an der Massivität der Bauten mit insgesamt 50.000 qm verlieren die Verfasser kein Wort. Obwohl man mit den Anwohnern in Dialog treten wollte, gab es seit der Erstpräsentation im Dezember kein konstruktives Gespräch. Die Regierungsvertreter des Landes und das Präsidium des KIT sind erst mal stolz auf die einstimmige Genehmigung des Erbbaurechts an KTS durch den Landtag, sind aber ansonsten nicht mehr zuständig /// Korrektur 11.3.: Frau Ministerin Bauer hat am 10.3. hierzu einen Brief geschrieben /// und verweisen nun auf das B-Planverfahren der Stadt. Wann der Erbbaurechtsvertrag mit welchen Klauseln abgeschlossen wird, bleibt weiter ein Geheimnis. Trotz mehrerer Kontaktversuche gibt uns auch die KTS keine weiteren Informationen, sondern verweist lediglich auf die Stadt, „die das B-Planverfahren initiiert hat“.

Aber was soll denn „die Stadt“ schon tun? Immerhin, die Bürgervertreter, also Landtags­abgeordnete und Gemeinderäte sind der Ansicht, dass man die Belange der Anwohner berücksich­tigen sollte. Nachdem das Land bereits in Vorlage gegangen ist, werden die Repräsentanten der Stadt und mit ihnen alle Gemeinde­ratsvertreter aber den Teufel tun, das Projekt zum Scheitern zu bringen. Die nächste Sitzung im Planungsausschuss im März oder April wird geheim sein. Man sollte erwarten, dass man dort als Bürgerinitiative gehört wird oder zumindest reinhören darf. So können wir nur darauf zählen, dass die Mitglieder des Ausschusses Vorschläge zur Berücksichtigung unserer Anliegen einbringen.

20160312_155854Da neben dem KIT auch die KTS uns keine weiteren Auskünfte erteilt, müssen wir annehmen, dass die bekannten Blockrahmen des B-Planentwurfs letztlich eine Kopie des Mathematikons in Heidelberg darstellen. Ohnehin scheint alles nach dem Vorbild Heidelberg zu laufen. „Ein vergleichbares Projekt“ hatten wir schon mal, so steht es in der Beschlussvorlage für den Finanz­ausschuss des Landtags.

20160312_155114

Vorbild Mathematikon in Heidelberg

In Heidelberg werden im Mathematikon heute noch ca. 8.200qm Bürofläche am freien Markt als Gewerbeimmobilien angeboten. (Anzeige in der immowelt vom 02.03.2015).

Ist es das wirklich, was ihr hier am Rand des Hardtwalds am Adenauerring wollt?

Damit man eine innovative architektonische Lösung findet, die auch zum gesamten Umfeld passt, muss ein Architektenwettbewerb stattfinden bevor Baurecht durch einen vom Gemeinderat genehmigten und gültigen B-Plan geschaffen wird. Eine Modifikation des jetzigen Entwurfs würde lediglich die Abstände um einige Meter verschieben, ein Stockwerk weg ­nehmen. Vielleicht würde man noch das ein oder andere kleine Zugeständnis machen.

Das eigentliche Ziel eines grünen Campus am Adenauerring mit botanischen Biotopen und optimaler verkehrstechnischer Anbindung zum bisherigen grünen Campus Süd mit Berücksichtigung der Nachbarschaft ist unserer Ansicht nach mit einer geringfügigen Modifikation des jetzigen Entwurfs nicht erreichbar.

Übrigens kann die KTS auch Vorbild in Sachen innovative Architektur sein. Das Architektenbüro Bernhardt und Partner aus Darmstadt hat in deren Auftrag schon mehrere tolle Gebäude erstellt: Es seien nur das Haus der Astronomie und das Studio bei der Villa Bosch in Heidelberg genannt. Warum man im Hochschulbau nun massive Blöcke hinstellen will, wird nicht erläutert. Wahrscheinlich sind es wirtschaftliche Gründe.

Noch ein Satz zum Botanischen Garten: Die Bevölkerung hat sicher das Recht, Fragen zu stellen und Forderungen aufzustellen, wenn die bisherigen Angebote des Botanischen Gartens wegfallen sollen. Ob am Adenauerring oder in der Kornblumen­straße, es bleibt das Anliegen, die Öffentlichkeitsangebote mit Gewächshäusern und Führungen weiter auszubauen und deren Finanzierung sicher zu stellen. Und wenn der Bot. Garten in die Kornblumenstraße verlegt wird, dann bleibt zusätzlich die Aufgabe, am Adenauerring einen grünen Campus zu schaffen.

Lassen Sie uns festhalten!
Land und KIT sollten entsprechend ihren eigenen Leitbildern handeln und eine offene proaktive Kommunikation mit allen Betroffenen führen, um eine echte nachhaltige Campusentwicklung, wie sie es selbst im Masterplan fordert, in Gang zu bringen. Schließlich ist Baden-Württemberg das Land, das sich in den letzten vier Jahren vorbildlich für Bürgerbeteiligung und nachhaltige Entwicklung eingesetzt hat. Schließlich ist die Stadt Karlsruhe preisgekröntes Vorbild für die Umsetzung nachhaltiger Prinzipien bei der Stadtentwicklung und stolz darauf eine grüne Stadt zu sein, und schließlich hat das KIT die besten und anerkanntesten Wissenschaftler auf dem Gebiet nachhaltiger Entwicklung.

Unterstützen Sie die Forderungen der Initiative „Grüner Campus Karlsruhe“. Sie finden sie hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *